Oh mein Gott, war das ein toller Tag! Ich bin um 4:45 Uhr voller Vorfreude, aber ziemlich mitgenommen von einer schlaflosen Nacht, aufgestanden um mich fertig zu machen und zu frühstücken. Leichter gesagt als getan :-D
Ich hatte mir eigentlich fest vorgenommen, ein Müsli zu essen. Naja, wenigstens ein wenig habe ich essen können, danach war mein Magen gefühlt voll. Um 5:45 fuhr mein erster Bus, zweimal musste ich umsteigen, ein Stückchen laufen, und schon stand ich vor der Klinik. Noch nie hat mein Herz so laut geschlagen, ich hab gezittert vor Aufregung, aber auch vor Freude, endlich mein Praktikum machen zu können.
Nachdem ich auf der Etage ankam, wo sich der OP befindet, hab ich genau das gemacht, was mir aufgetragen wurde: "Warte da, irgendeiner wird dich schon einsammeln." Das war auch keine zwei Minuten später der Fall. Eine nette Frau, J., hat mich hier eingefangen und mich direkt mit genommen, glücklicherweise ist sie auch die Leitung im OP. Ich zog die ungewohnten Klamotten an: zuerst die Haube, dann Kasak und Hose, sowie die Schuhe. Man führte mich direkt in den Aufenthaltsraum, wo sich bereits T. eingefunden hatte, ein sehr netter OP-Pfleger, der sich mit mir unterhielt und mir wirklich die Nervosität fast komplett nahm. Nachdem das gesamte OP Personal im Aufenthaltsraum war (und mir kamen es vor, als hätte sich anzahlmäßig die Weltbevölkerung dort angesammelt), stelle J. mich noch einmal vor (auch, wenn ich bereits bei jedem einzeln getan hatte und mir nur wenige Namen der anderen merken konnte) und alle verschwanden. Ich ging mit J. mit und ließ mir alles zeigen. Die Lagerräume, die OP Säle und die Entsorgung, die Schleuse usw.
Ich dachte, dass sei schon viel Input gewesen, aber das war mein geringstes Lernproblem :-D
Man übergab S., meine 'Mentorin', bzw. die Person, die mich für einen Tag unter ihre Fittiche nehmen würde. Wir waren für den OP Saal 5 eingeteilt. Dieser war ein Anbau, relativ neu, aber auch klein. Die erste Patienten wurde bereits eingeschleust, also gab S. mir meinen Mundschutz, zeigte mir, wie ich mich zu waschen hatte und führte mich in den OP Saal. Zwei weitere OTAs haben mich freundlich empfangen und halfen mir bei anfänglichen Schwierigkeiten. Zuerst sah ich nur zu, und das war auch Aufgabe genug. Während ich beobachtete, wie man die Instrumente auf dem Tisch angeordnet hat, lag die Patientin bereits in der Narkoseeinleitung und so riefen wir die Chirurgen zu uns.
Eine Hemithyreoidektomie war die erste OP, bei der ich zusehen durfte. Ich stand relativ gut, sodass ich alles sehen konnte. Hierbei wurden alle sichtbaren Teile eines Schilddrüsenlappens, hier des linken, entfernt. Unheimlich spannend. Ich hatte nur Angst, etwas unsteril zu machen, aber es ging glücklicherweise alles gut. Der Mundschutz war ungewohnt, ebenso der Geruch der Verödung der Wunden. Verbrannt riecht wirklich nciht gerade angenehm, aber man gewöhnt sich schnell daran. Die Springer erklärten mir immer zwischendurch, was gerade gemacht wird. Nach 1,5 Stunden war die Operation vorbei, der Patient wurde ausgeschleust und wir bereiteten uns auf die zweite OP vor. Es war bereits 11 Uhr, daher haben die Leute meines Teams entschieden, mich in die Pause zu entlassen.
Nach der Pause, dem Umziehen und dem Waschen stürzte ich mich ins nächste Abenteuer: Operation einer Leistenhernie (Leistenbruch). Das ganze lief laparoskopisch. Da ich selbst schon oft eine diagnostische Laparoskopie hatte, war es umso interessanter, weil ich dabei sehen konnte, was bei mir (jedenfalls was Schnittführung und die OP Technik angeht) gemacht wurde. Ich kam leider relativ zum Schluss in den OP Saal, sodass ich nur noch mitbekam, wie das Polypropylennetz eingesetzt wurde und dann war auch schon der größte Teil der OP vorbei.
Die letzte OP dieses Tages war eine Rückverlagerung des anus praeter (künstlicher Darmausgang). Eine nicht unspannende, aber zunächst unangenehme Geschichte. Die OP dauerte auch relativ lang, ca. 1,75 Stunden, und mittlerweile taten mir Rücken und Beine unfassbar weh. Bei dieser OP stand ich am Kopf des Patienten und blickte über ein Tuch in den OP Bereich hinein, bekam währenddessen aber auch kleine Tipps der Anästhesisten und Erklärungen zu den Geräten dort.
Insgesamt muss ich sagen, dass der erste Tag im Praktikum einfach unheimlich toll war. Es hat Spaß gemacht, die Leute waren echt nett zu mir und haben sich viel Zeit genommen. Hoffen wir, dass es so weiter geht!
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